Rescue Flag: Die rote Fahne, die gefunden wird, und der Notfallpass, der Buch führt
Ein rotes Dreieck mit reflektierendem SOS, ein Case für die Jackentasche und ein Notfallpass, dessen Zugriffe in der Doichain belegt werden. Die Fertigung der Rescue Flag in China hat begonnen, die Vorbestellung startet in Kürze, ausgeliefert wird ab Ende November.

Kurz nach vier am Nachmittag reißt die Sicht ab. Eben war der Grat noch klar, jetzt ist alles weiß: Himmel, Hang, die eigene Spur. Ein falscher Tritt, ein Knie, das nachgibt, und plötzlich sitzt man im Schnee, das Telefon bei elf Prozent, der Notruf ist abgesetzt. Die Leitstelle hat eine ungefähre Position. Ungefähr heißt im Gebirge: ein paar hundert Meter Hang, in denen ein Mensch in grauer Jacke unsichtbar ist.
Irgendwann ist das Rotorgeräusch zu hören. Dann kommt die Frage, an der in solchen Minuten alles hängt: Sieht man mich?
Für genau diesen Moment gibt es die Rescue Flag. Und weil Hilfe nicht endet, wenn jemand gefunden ist, gehört zu ihr ein Notfallpass, dessen Zugriffe in der Doichain festgehalten werden. Und jetzt läuft die Fertigung.
Die Fahne: 90 mal 125 Zentimeter Sichtbarkeit
Die Rescue Flag ist ein gleichschenkliges Dreieck in Signalrot, 90 Zentimeter breit und 125 Zentimeter lang, mit einem SOS-Schriftzug und einem Pfeil aus Reflexfolie. Bei Tag leuchtet das Rot gegen Schnee, Fels und Wald. Bei Nacht wirft die Folie das Licht von Stirnlampe, Scheinwerfer oder Suchlicht zurück. Der Pfeil zeigt nach unten, dorthin, wo jemand wartet.
Die Fahne lässt sich überall festmachen: An allen drei Ecken sitzen Schlaufen, an den beiden oberen Ecken zusätzlich durchgehende Tunnel, durch die man Skistöcke, Trekkingstöcke oder einen Ast schiebt. So steht die Fahne aufgespannt im Schnee, hängt an einem Zaun, liegt auf einem Autodach oder wird einfach geschwenkt.
Zusammengefaltet verschwindet sie in einem kleinen Case von 11 mal 14 Zentimetern. Fahne und Hülle wiegen zusammen 55 bis 75 Gramm, sie sind aus wetterfestem, wasserabweisendem Polyester. Das passt in jede Jackentasche, jeden Rucksackdeckel, jedes Handschuhfach. Und genau dort liegt das zweite Herzstück: Auf der Rückseite hat das Case ein transparentes Kartenfach im Scheckkartenformat. Hinein gehört der Notfallpass.
Der Notfallpass: Hilfe, die etwas über einen weiß
Wer gefunden wird, ist nicht immer ansprechbar. Dann zählen Dinge, die niemand von außen sieht: eine Penicillinallergie, ein Blutverdünner, Diabetes, die Nummer der Person, die man jetzt anrufen sollte. Der Notfallpass trägt einen QR-Code und eine achtstellige Pass-ID. Wer hilft, scannt den Code oder tippt die ID auf rescue-flag.com ein und sieht sofort die Notfalldaten, die der Inhaber dafür freigegeben hat. Ohne Konto, ohne App-Installation, auch für Ersthelfer, die zufällig vorbeikommen.
Die Anmeldung zum Notfallpass ist kostenlos und seit dem 6. Oktober 2026 in Version 2 online. Wer mehrere Pässe nutzt, etwa in Jacke, Auto und Geldbörse, kann jeden einzeln sperren, falls einer verloren geht.
Das wirft eine unbequeme Frage auf. Gesundheitsdaten, abrufbar mit einem Scan: Wer hat da eigentlich wann hineingesehen?
Die Doichain führt Buch
Hier kommt die Doichain ins Spiel, und zwar nicht als Dekoration, sondern als Gedächtnis, das niemand umschreiben kann.
Jedes Öffnen eines Notfallpasses erzeugt einen Zugriffsdatensatz: welche Karte, welche Datenstufe, welche Art von Helfer, wann, und, wenn der Helfer es erlaubt, wo. Dazu kommt eine Zufallszahl. Der Datensatz wird in eine feste, kanonische Form gebracht, daraus entsteht ein SHA-256-Hash, und dieser Hash wird als Name poe/<sha256> über die Doichain-API in der Doichain registriert. Wenige Minuten später ist er in einem Block bestätigt, mit Blockzeit, für immer.
Was das bedeutet:
- Kein Zugriff verschwindet. Ein Eintrag in einer Datenbank lässt sich löschen oder nachträglich ändern. Ein Hash in der Doichain nicht. Wenn der Datensatz später auch nur in einem Zeichen anders aussieht, passt er nicht mehr zum Hash.
- Der Inhaber kann selbst prüfen. In seinem Konto sieht er jeden Zugriff, lädt den Datensatz herunter, bildet den Hash mit
sha256sumund vergleicht ihn mit der Kette, zum Beispiel auf verifile.it. Er muss dafür weder uns noch irgendeinem Server vertrauen. - Die Kette weiß nichts über den Menschen. In der Doichain stehen weder Blutgruppe noch Name noch Koordinaten, nur 64 Hexzeichen. Die Zufallszahl im Datensatz sorgt dafür, dass niemand den Hash durch Raten von Uhrzeit und Ort bestätigen kann.
- Missbrauch hat Spuren. Wer einen gefundenen Pass aus Neugier scannt, hinterlässt denselben unveränderbaren Beleg wie die Bergwacht. Das schreckt ab und schützt, ohne den Zugang im Notfall auch nur eine Sekunde zu bremsen.
Die Notfalldaten selbst bleiben bewusst ohne Hürde erreichbar. Wer in einer Lawinenrinne kniet, soll kein Formular ausfüllen. Die Sicherheit entsteht nicht durch eine Schranke vor den Daten, sondern durch den Beleg danach. Genau diese Arbeitsteilung macht die Doichain möglich: Sie ist öffentlich, dezentral und seit Jahren in Betrieb, und sie kann Zeitstempel liefern, die kein Betreiber, keine Firma und kein Angreifer zurückdatieren kann.
Was als Nächstes kommt
Für den Notfallpass ist mehr geplant, und auch das läuft über die Doichain. Diskutiert wird, Pass-IDs künftig aus einem persönlichen Schlüssel abzuleiten, ähnlich wie Adressen in einer Wallet. Dann ließe sich eine Sperre direkt in der Kette sichtbar machen, und ein Pass wäre an seinen Inhaber gebunden, ohne dass dafür eine E-Mail-Adresse herhalten muss. Für die erweiterten Notfalldaten wie Diagnosen und Medikamentenpläne soll der Helfer sich künftig freiwillig zu erkennen geben können. Die Basisdaten bleiben frei zugänglich.
Die Fertigung läuft, der Countdown auch
Nach Musterbau und Farbabgleich ist es so weit: In China hat die Fertigung der ersten Serie begonnen. Fahne und Case laufen vom Band, die Banderole und der Beileger mit der Anleitung zur Aktivierung des Notfallpasses sind in Arbeit.
Die Vorbestellung öffnet in Kürze. Wer zur ersten Serie gehören will, sollte dann schnell sein, denn die Stückzahl ist begrenzt. Ausgeliefert wird ab Ende November, also rechtzeitig, bevor die ersten Skitouren starten, die Tage kurz werden und der Nebel schneller kommt, als man denkt.
Bis dahin kann sich jeder schon heute kostenlos einen Notfallpass auf rescue-flag.com anlegen. Die Fahne kommt dazu, sobald sie da ist.
Am Ende geht es um eine einfache Frage, die man sich hoffentlich nie stellen muss: Sieht man mich? Mit der Rescue Flag lautet die Antwort ja. Und was danach passiert, steht in der Doichain.
Weiterlesen
- Notfallpass anlegen: rescue-flag.com
- Wie ein Zeitstempel in der Doichain funktioniert: Proof of Existence
- Einen Hash selbst prüfen: verifile.it
- Die Schnittstelle, über die der Notfallpass verankert: Doichain-API